"Ein Engel so gut wie auch schön" - eine Liebe im Kriegsjahr 1793 .

Barbara Stewen: Ein Engel, so gut wie auch schön. Eine Liebe im Kriegsjahr 1793, mit 10 sw-Illustrationen, 232 S., geb., Format 13 x 19 cm, ISBN 978-3-939285-07-6

E. Humbert Verlag Neu-Bamberg

Presse:

Besuch der Buchmesse Rheinland-Pfalz 2015 am 31.05.2015:

Signierstunde am Stand des E. Humbert-Verlages

beim Interview im Leseraum

„Mutig geworden, fragt er mit zitterndem Unterton in der Stimme, ob er sie küssen dürfe. Und schon liegt sie an seiner Schulter. Er atmet zum ersten Mal ihren Duft ein, es könnte Rosenwasser sein? Eine Locke, die sich gelöst hat, kitzelt seine Wange. Es dröhnt in seinen Ohren, und er spürt, dass auch Luises Herz zum Zerspringen klopft.“

Luise, Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz (1776 – 1810), hat soeben den Antrag des Kronprinzen und späteren Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm III., angenommen. Die Romanbiografie konzentriert sich auf Luises Aufwachsen in Darmstadt, die ersten Begegnungen mit Friedrich-Wilhelm in Frankfurt, die Reise zu ihrem Verlobten ins rheinhessische Bodenheim anlässlich der Belagerung von Mainz, die Hochzeitsvorbereitungen und den Empfang in Berlin. Luises außergewöhnlicher Liebreiz und ihre unkonventionelle Art bezauberten alle Welt – selbst Kaiser Napoleon soll schwach geworden sein – und ließen sie zur Lady Di Preußens und des aufblühenden Deutschlands werden.

Leseproben:

Intuitiv wendet er sich um. 
Im Rahmen der großen Terrassentür erscheint scherenschnittartig eine vom Licht des Ballsaales beleuchtete Frauengestalt.
„Wie von einem Strahlenkranz umgeben!“ staunt der Prinz.
Ein weißer Schleier verhüllt die nackten Schultern der mädchenhaften Erscheinung.  
Ist es Luise, hat sie ihm zugewinkt, oder hat er sich getäuscht?
Ist ihm etwa der Champagner doch zu Kopf gestiegen?
„Sie holt sich noch den Tod“, ist sein nächster Gedanke. Er zieht ohne zu überlegen seinen mit Gold betressten Garderock aus, um ihn, ganz Kavalier, seiner Herzensdame umzuhängen. Aber die ist bereits wieder verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.  
Er stürmt heftiger, als ihm im Moment bewusst ist, mit klopfendem Herzen ins Haus. Knöpft im Lauf seinen Rock zu, hastet in den Saal! Was ist, wenn sein Bruder Louis sich plötzlich entschieden hat, gerade jetzt, in diesem Moment, Luise  einen Antrag zu machen?

....

Dann wird es Abend in Bodenheim an diesem besonderen Tag. Nebelschwaden kriechen aus dem Flussbett, breiten sich in den Tälern aus und hängen wie zarte Schleier über den Bäumen. Der feuchte Dunst umhüllt die Weinberge mit einer weichen Watteschicht. Der Regen hat aufgehört. Straßenlaternen und Funzeln verbreiten ein warmes, diffuses Licht. Der Weg zum Feldlager ist mit Fackeln markiert.

...

Leise schlüpft Luise aus dem Zimmer. Sie ärgert sich, als die Tür knarrt! Wenn die Gélieu sie hier erwischt, barfüßig und im Nachtkleid mit Nachthäubchen! Undenkbar.
Sie verharrt atemlos einen Moment auf dem Flur. Sie horcht. Drei Türen kommen in Frage.
Sie muss nicht lange suchen. Unter der Tür des benachbarten Zimmers ist schwacher Lichtschein sichtbar, der auf dem Boden des dunklen Flurs eine unruhige, orangefarbene, warme Spur malt.
Aus dem Raum klingt unterdrücktes Schluchzen.
„Friederike!“ schießt es Luise durch den Kopf.
Vorsichtig und leise drückt sie die schwere Messingklinke mit dem geschwungenen Griff hinunter.
Durch den Türschlitz erblickt sie schemenhaft die Schwester. Friederike sitzt starr am Tisch. Der Kopf wird vom Wandlicht beschienen, so dass die dunkelblonden Haarspitzen, die wirr vom Oberkopf abstehen, warm schimmernd und sprühend im Halbdunkel aufleuchten. Die Prinzessin sitzt gebeugt und stützt sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch auf.
Ihr Gesicht zeigt sie nicht. Es ist von ihren kleinen Händen bedeckt, die es nicht schaffen, die Tränenbäche aufzufangen.

Abbildung: Luise als Kronprinzessin, Gemälde von Johann Friedrich August Tischbein (um 1796)

©Barbara Stewen 2012